Das Phänomen der „Hörentwöhnung“ und warum Sie nicht länger auf Hörgeräte verzichten sollten.

vom 10.05.2021

Hörentwöhnung verstehen und vermeiden

Wahrscheinlich kennen Sie es bereits aus eigener Erfahrung: Die Entscheidung für das allererste Hörgerät ist bei vielen Menschen ein langer Prozess.

Mitunter gehen Jahre ins Land, bevor sich Betroffene das erste Mal dazu bewegen, ein Hörgerät auszuprobieren. Möglicherweise sogar weitere Jahre, bis sie dieses auch regelmäßig tragen.

Das Warten ist aus verschiedensten Gründen zwar nachvollziehbar, aber aus einigen anderen Gründen leider sehr problematisch.

Besonders das Phänomen der Hörentwöhnung führt bei denjenigen, die dieses verstehen, zur Überzeugung, nicht länger auf Hörgeräte verzichten zu wollen.

Die „Hörentwöhnung“ und Ihre Folgen werden wir in diesem Beitrag sowie im folgenden Video auf einfache Art und Weise erklären.

Henning Schmidt erklärt die Hörentwöhnung.

Zunächst möchten wir jedoch Verständnis dafür aufbauen, dass die Entscheidung für Hörgeräte ein langer Prozess sein kann.

Folgende drei Gründe führen häufig dazu, dass sich Betroffene trotz offensichtlicher Hörschwäche nicht für Hörgeräte entscheiden:

  • Die Hörbeeinträchtigung führt im Alltag noch eher selten zu Verständnisproblemen.
  • Hörgeräte können ziemlich teuer werden.
  • Es kann schwierig fallen, sich selbst einen vorliegenden Hörverlust einzugestehen.
Die Hörentwöhnung erklärt

Grundsätzlich kann man also sehr gut verstehen, warum viele Menschen nicht den Schritt zum HNO wagen oder Ihre bereits angeschafften Hörgeräte nicht regelmäßig tragen.

Warum dies jedoch problematisch sein kann, zeigen folgende Punkte:

  • Viele betroffene Menschen kapseln sich (wenn auch unterbewusst und schrittweise) sozial ab.
  • Das Risiko für Demenz und/oder Depression kann durch unbehandelte Hörverluste steigen,
  • Unbehandelte Hörverluste bewirken zudem eine Hörentwöhnung, die den Hörverlust über die Zeit noch stärker vorantreiben lässt.

Insbesondere der dritte Punkt war bei vielen unserer Kunden das stärkste Argument, Hörgeräte nicht nur auszuprobieren, sondern auch regelmäßig zu nutzen. Der Punkt wird klarer, wenn man ihn positiv formuliert:

Mit der Verwendung von Hörgeräten beugt man einem stärkeren Voranschreiten des Hörverlustes vor. Das aktuelle Hörvermögen kann durch Tragen von Hörgeräten länger und besser erhalten bleiben (Vermeidung der Hörentwöhnung).

Insbesondere für Menschen mit nur leichtem bis mittlerem Hörverlust ist das eine echte Chance: Ihre Hörentwöhnung ist noch nicht weit vorangeschritten und kann entsprechend noch in großem Umfang vorgebeugt werden.

Folgendes Diagramm hilft zu verstehen, wie sich das Hörvermögen mit und ohne regelmäßiger Verwendung von Hörgeräten entwickeln kann:

Infografik - Folgen der Hörentwöhnung (Hörverlust)
Infografik - Folgen der Hörentwöhnung (Hörverlust)

Hörgeräte können also dabei helfen, das aktuelle Hörvermögen besser aufrechtzuerhalten. Warum ist das so und was bedeutet das für Menschen mit leichtem Hörverlust?

Ohne Hörgeräte entwickelt sich eine problematische Hörentwöhnung. Warum ist das so?

Um zu erkennen, warum eine Hörentwöhnung problematisch ist, muss man diese zunächst verstehen. Für das Verständnis der Hörentwöhnung hilft folgende Faustregel:

Wir hören mit dem Ohr, aber verstehen mit dem Gehirn.

Unser Hörsinn verwandelt auf komplexe Art und Weise mechanischen Schall (Geräusche) in elektrische Impulse (Informationen) um, die dadurch im Gehirn verarbeitet werden können (Verständnis).

Hörprozess intaktes Ohr

Bei einem Hörverlust werden Geräusche aus bestimmten Frequenzbereichen jedoch nicht mehr in Impulse (Informationen) umgewandelt. Warum?

Die dafür zuständigen Sinneshärchen im Innenohr sind – besonders häufig im Alter oder nach starker Beanspruchung – abgenutzt und verlieren stückweise die Fähigkeit der Umwandlung von Schall in Impulse. Daher erreichen uns bei Hörverlust gewisse Informationen nicht mehr im Gehirn.

Hörprozess bei Hörverlust

An dieser Stellen kommen Hörgeräte (auch „Hörsysteme„) ins Spiel.

Hörgeräte helfen dabei, genau hierfür eine Brücke zu bauen: Eingehende Geräusche werden verstärkt, um wieder in Form von Impulsen Informationen an unser Gehirn zu senden.

Diese können schlussendlich in Verständnis umgewandelt werden. Dies bedeutet beispielhaft, dass wir beim gesprochenen Wort „Apfel“ auch tatsächlich das Bild eines Apfels vor Augen haben.

Wir hören das Wort nicht nur, wir verstehen es.

Exkurs: Warum sich das Ohr im Alter „abnutzt“.

Was genau bedeutet Abnutzung in diesem Zusammenhang?

Unser Ohr ist ein komplexes Sinnesorgang, dass dabei hilft, mechanische Schallwellen in elektrische Impulse zu wandeln, die unser Gehirn dann als Information verarbeiten kann. Neben dem Trommelfell ist die „Hörschnecke“ (auch „Cochlea“) ein wichtiger Bestandteil unseres Hörsinns.

Die Hörschnecke wird Ihrem Namen gerecht, da sie schneckenartig aufgebaut ist. Mithilfe der Hörschnecke können wir unterschiedliche Tonhöhen wahrnehmen, wie die hellen Klänge einer Triangel oder die tiefen Töne einer großen Trommel.

In der Hörschnecke selbst befinden sich nämlich Sinneshärchen, die feinste Vibrationen aufnehmen und in Impulse ans Nervensystem umwandeln.

Die Sinneshaare am Eingang der Hörschnecke nehmen hohe Töne wahr, während die Härchen im Inneren der Schnecke für die tieferen Töne zuständig sind. Schallwellen tieferer Töne müssen also zuvor an den Sinneshärchen am Eingang der Hörschnecke vorbei, die eigentlich für die höheren Töne zuständig sind. Dadurch ergibt sich eine doppelte Belastung für die „Hochton-Härchen“.

Das Besondere an den Sinneshärchen in der Hörschnecke? Sie nutzen sich mit der Zeit ab. Je häufiger und lauter die Geräusche sind, desto stärker nutzen sich die Härchen ab. Die für höhere Frequenzbereiche zuständigen Härchen am Eingang der Hörschnecke nutzen aufgrund der doppelten Belastung schneller ab.

Daher hören wir im Alter häufig besonders im Hochtonbereich schlechter, als jüngere Menschen.

Was ist aber, wenn keine Impulse mehr an unser Gehirn gegeben werden?

Bleibt ein Hörverlust zu lange unbehandelt, findet eine Hörentwöhnung im Gehirn statt. Das Gehirn wird in bestimmten Frequenzbereichen nicht mehr regelmäßig trainiert und verliert damit nach und nach die Fähigkeit, eingehende Impulse in Verständnis umzuwandeln.

Obwohl wir dank Zuhilfenahme von Hörgeräten die Geräusche wahrnehmen und verarbeiten, verstehen wir diese bei einer vorangeschrittenen Hörentwöhnung nicht mehr.

Hörprozess Hörentwöhnung

Dieses Verlernen ist grundsätzlich eine tolle Funktion, denn die nicht mehr beanspruchte Gehirnkapazität kann für andere, sinnvolle Dinge verwendet werden. So haben blind-geborene Menschen z.B. deutlich mehr „Rechenspeicher“ für andere Wahrnehmungssinne zur Verfügung. Es ist allgemein bekannt, dass viele blinde Menschen über einen besonders scharfen Hörsinn verfügen.

Von Nachteil ist diese „Verlern-Funktion“ des Gehirns nur leider dann, wenn jahrelang Kapazitäten abgebaut werden, die später durch die Verwendung von Hörgeräten eigentlich wieder beansprucht werden könnten.

Den Abbau der Kapazitäten, die für unser Hören und Verstehen zuständig sind, nennt man Hörentwöhnung.

Eine voranschreitende Hörentwöhnung macht den späteren Umstieg auf Hörgeräte umso schwieriger.

Menschen mit bereits vorangeschrittener Hörentwöhnung beklagen sich bei der Nutzung von Hörgeräten besonders darüber, dass auch viele andere Geräusche zu stark verstärkt werden: zum Beispiel das bereits erwähnte, unangenehme Klirren von Geschirr.

Die Hörentwöhnung ist für diese hohen Töne bereits besonders stark fortgeschritten. Doch auch im Sprachbereich wird es für das Gehirn nach einer Hörentwöhnung anstrengender, gesprochene Worte zu verarbeiten.

Das Tragen von Hörgeräten erfordert dann besonders viel Disziplin. Überanstrengungen während des Tragens sowie unangenehm laute Situationen sind ein verlockender Grund, die Hörgeräte einfach beiseite zu legen. Genau das wiederum würde dazu führen, dass die Hörentwöhnung voranschreitet – ein Teufelskreis.

Umso wichtiger ist es für Betroffene, die Hörentwöhnung zu unterbinden und bereits im früheren Stadium eines Hörverlustes Hörgeräte einzusetzen. Eben bereits dann, wenn der Hörverlust im Alltag eigentlich eher seltener Probleme bereitet.

Ist eine Hörentwöhnung irreversibel?

Das Gehirn ist vergleichbar mit einem Muskel. Verwendet man ihn längere Zeit nicht, baut er sich ab. Glücklicherweise lässt sich ein Muskel mit genug Willenskraft und Training auch wieder aufbauen. Der Aufbau dauert jedoch länger als der Abbau.

Ähnlich verhält es sich mit der Hörentwöhnung. Erhält das Gehirn wieder regelmäßig eingehende Impulse, wird es mit der Zeit wieder lernen, diese richtig zu verarbeiten. Dieser Prozess des „Hören lernen“ kostet jedoch viel Energie und Willenskraft. Einige Leute legen Ihre Hörgeräte in die Schublade und schaffen es nicht, das Gehirn ausreichend zu trainieren.

Deswegen ist es wichtig, die Hörentwöhnung erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Hörverluste sollten möglichst frühzeitig behandelt werden. Es ist viel einfacher, die Gehirnkapazitäten („Muskeln“) für das Hören aufrechtzuerhalten, als diese wieder mühselig anzutrainieren.

Fazit

Die Hörentwöhnung ist der Prozess, die Fähigkeit des Verstehens zu verlernen.

Eine Hörentwöhnung schreitet voran, wenn ein Hörverlust (unabhängig vom Schweregrad) unbehandelt bleibt.

Das Tragen von Hörgeräten beugt der Hörentwöhnung vor, sodass das aktuelle Hörvermögen länger erhalten bleibt als ohne Hörgeräte.

Die Hörentwöhnung kann, wenn auch unter erhöhten Anstrengung und mit viel Disziplin (= Hörtraining), wieder rückgängig gemacht werden. Viele Schwerhörige scheitern jedoch leider an diesem Training. Die Vorbeugung ist deshalb ein so wichtiger Bestandteil für gutes Hören im Alter.

Vermeiden Sie den Fehler, in einigen Jahren zu sagen „Hätte ich mal bloß …“.

Übrigens, komfortable Hörlösungen müssen nicht teuer sein.

Wie wir gelernt haben, sind die Hörgeräte-Preise häufig ein abschreckendes Argument für Betroffene, sich nicht weiter mit der Hörgeräte-Versorgung zu beschäftigen. Diese Hörgeräte kosten normalerweise über 1.000 € Aufzahlung (trotz Krankenkasse). Aber nicht bei Echo.

Kassengeräte„, also Hörgeräte der Basisklasse, gibt es zwar zum Nulltarif, bieten aber keinen komfortablen Leistungsumfang wie Bluetooth, Streaming, 360° Raumhören etc.

Hörgeräte der höheren Qualitätsstufen (wie in der obigen Abbildung) kosten hingegen ordentlich Aufzahlung. Viele Patienten leben dann lieber mit einem leichten Hörverlust, als so viel Geld auszugeben.

Dieses Problem hat Echo verstanden. Erstmals gibt es nun Hörgeräte der Premiumklasse zum Nulltarif*. Damit nehmen wir allen Betroffenen die Entscheidung, ob Ihr Hörverlust das Geld wert ist.

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